Holunder

Mythos, Anwendung & Erinnerung

Der Holunder zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Schon als Kind habe ich seine Blütendolden geliebt – meine Mama hat daraus Holunderstrauben gebacken. Für mich war das pures Kindheitsglück.

Heute begleitet er mich als Heilpflanze, Kraftbaum und treuer Begleiter in der Volksheilkunde. Seine Blüten, Beeren und sogar die Rinde werden seit Jahrhunderten genutzt – zur Stärkung des Immunsystems, bei Erkältungen, Fieber oder Entzündungen.

„Dem Holunder wird schließlich nachgesagt, dass er eine Brücke zwischen dieser Welt und der immateriellen Welt herstellt.“ – Wolf Dieter Storl

Mythos & Volksglaube

Der Holunder galt im Volksglauben als Übergangspflanze, die Krankheit und Negatives aufnehmen kann. Viele Menschen banden Stoffbänder oder Wünsche an ihn, um Heilung oder Fruchtbarkeit zu erbitten. Noch heute steht er an vielen alten Häusern, als Schutzbaum und Tor zu einer anderen Welt. Vor ihm zog man früher den Hut.

„Häng deine Krankheit an den Hollerbusch.“

Frau Holle

In alten Überlieferungen ist sie mehr als die Märchenfigur mit Gold- und Pechmarie: Sie gilt als Urgöttin, als Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin, die über den Wechsel der Jahreszeiten, Fruchtbarkeit und das Schicksal wacht.

Besonders eng ist sie mit dem Holunder verbunden. Wer unter einem Hollerbusch schläft, so heißt es, betritt ihr Reich. Für mich ist das Bild von Frau Holle eine Erinnerung an Wandel, Kreisläufe und die Kraft des Verborgenen. Genau das, was mich am Holunder immer wieder staunen lässt.

Rezepte zum Ausprobieren

Hier ein klassisches Rezept für Holunderküachle – auch Hollerküachle genannt. Das sind ausgebackene Holunderblütendolden im Teigmantel, die meine Mama früher oft gemacht hat. Für mich eine wertvolle Kindheitserinnerung.

Hollerküachle

Zutaten

  • 8–10 frische Holunderblütendolden
  • 150 g Mehl
  • 2 Eier
  • 200 ml Milch oder Mineralwasser (ergibt einen luftigeren Teig)
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL Zucker (optional, für süße Variante)
  • 1 Schuss Rum oder Zitronenschale (fürs Aroma, optional)
  • Öl oder Butterschmalz zum Ausbacken
  • Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung

  • Blüten vorbereiten
    • Die Holunderblüten an einem sonnigen Tag ernten, ungewaschen verwenden (nur leicht ausschütteln, damit der Blütenstaub bleibt).
    • Längere Stiele etwas kürzen, damit sie gut ins Öl passen.
  • Backteig herstellen
    • Mehl, Eier, Milch (oder Mineralwasser), Salz und Zucker zu einem glatten, dickflüssigen Teig verrühren.
    • Teig ca. 15 Minuten quellen lassen.
  • Blüten ausbacken
    • Öl oder Butterschmalz in einer tiefen Pfanne erhitzen.
    • Die Blütendolden am Stiel anfassen, in den Teig tauchen (überschüssigen Teig abtropfen lassen).
    • Sofort im heißen Fett goldbraun ausbacken, dabei einmal wenden.
  • Fertigstellen
    • Auf Küchenpapier abtropfen lassen.
    • Mit Puderzucker bestäuben und am besten warm genießen.

Guten Appetit!

Oxymel – ein altbewährtes Hausmittel neu entdeckt

Oxymel klingt erstmal geheimnisvoll, oder? Dabei steckt dahinter etwas ganz Einfaches – und Wunderbares. Schon in der Antike wurde diese besondere Mischung als Heil- und Stärkungsmittel geschätzt. Der Name kommt aus dem Griechischen: „oxos“ bedeutet Essig, „meli“ heißt Honig.

 

Aus diesen beiden Zutaten entsteht ein natürliches Elixier, das die antibakteriellen und konservierenden Kräfte des Essigs mit der nährenden und heilenden Wirkung des Honigs verbindet. Je nach Jahreszeit und Geschmack kannst du dein Oxymel auch mit Kräutern oder Blüten ansetzen – so bekommt es jedes Mal eine ganz eigene Note.

Traditionell wurde Oxymel als Stärkungsmittel, zur Unterstützung der Verdauung und des Immunsystems oder einfach als erfrischendes Getränk genutzt. Und genau das macht es auch heute wieder so besonders: ein Stück altes Wissen, das wir ganz leicht in unseren Alltag zurückholen können.

Holunderblüten - Oxymel

Zutaten

  • 8-10 frische Holunderblütendolden (ungewaschen, nur vorsichtig ausgeschüttelt)
  • 200 ml Apfelessig (unpasteurisiert)
  • 600 g Honig
 

Zubereitung

  • Blüten vorbereiten
  • Die Holunderblüten an einem sonnigen, trockenen Tag ernten.
  • Nicht waschen, damit der Blütenstaub und die Aromen erhalten bleiben.
  • Insekten vorsichtig ausschütteln oder abstreifen.
  • Honig und Apfelessig in ein sauberes, großes Glasgefäß geben. Verhältnis: etwa 3 Teile Honig : 1 Teil Essig.
  • Alles gut verrühren oder das Glas schwenken, bis sich der Honig löst.
  • Die Blütendolden hinzufügen, und das Glas verschließen.
 

Auszug

  • An einem kühlen, dunklen Ort 2–3 Wochen ziehen lassen.
  • Zwischendurch das Glas schütteln oder umrühren, damit sich alles gut vermischt.
 

Abseihen

  • Nach der Ziehzeit die Blüten absieben und den Oxymel in eine saubere Flasche füllen.
  • Kühl und dunkel lagern. Er ist mehrere Monate haltbar.
 

Anwendung

  • Als Erfrischungsgetränk: 1–2 EL Oxymel in einem Glas kaltem Wasser auflösen.
  • Als Immun-Tonikum: Täglich 1 EL pur oder mit etwas Wasser einnehmen.
  • In der Küche: Als Dressing-Grundlage für Salate oder zum Aromatisieren von Mineralwasser.
 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Horizonte erweitern - Meine Kurse

Hast du Lust, etwas Neues zu entdecken? Schau dich gern bei meinen Angeboten um:

Fermen-Tiere

Hol dir das Wissen, wie aus einfachen Zutaten lebendige, gesunde Lebensmittel entstehen – ganz ohne Zusätze.

Pflanzenverbündete

Horche hinein in die Sprache der Pflanzen und lerne, sie mit allen Sinnen zu erspüren, zu verstehen und ihre Kraft im Alltag zu nutzen.

Brettchenweben

Halte Faden und Rhythmus in der Hand und web dir mit einer alten Handwerkskunst wunderschöne Bänder voller Geschichte.